Studien zum Empty-Nose-Syndrom

Kurze Metaanalyse aller Studien

Diese Metaanalyse fasst aktuelle Daten aus 30 spezialisierten Quellen zum Empty-Nose-Syndrom (ENS) zusammen. Sie beschreibt eine komplexe iatrogene Erkrankung, die durch eine tiefgreifende Diskrepanz zwischen anatomischer Durchgängigkeit und funktioneller Wahrnehmung gekennzeichnet ist und typischerweise nach einer aggressiven Resektion der Nasenmuscheln auftritt.

1. Pathophysiologie: Das Paradoxon von Luftstrom und Wahrnehmung

ENS ist grundsätzlich eine aerodynamische und neurosensorische Störung, bei der „mehr Raum“ in der Nase dazu führt, dass der Patient „weniger Luft“ wahrnimmt.

  • Aerodynamische Veränderungen (CFD): Die numerische Strömungsmechanik (CFD) zeigt, dass ENS-Patienten einen deutlich niedrigeren nasalen Widerstand (etwa 25,7 % niedriger) und größere Querschnittsflächen als gesunde Personen aufweisen. Paradoxerweise zirkuliert die Luft nicht effizient; sie bildet einen schmalen Luftstrahl in Richtung des mittleren Nasengangs und umgeht dabei weitgehend den unteren Nasengang. Dies führt zu hohen Geschwindigkeiten (9–15 m/s gegenüber 6–8 m/s bei gesunden Personen) und zur Bildung von Wirbeln im unteren Nasengang, die zur Austrocknung der Schleimhaut und Krustenbildung beitragen.
  • Beeinträchtigte Klimatisierung der Atemluft: Ohne funktionsfähige Nasenmuscheln wird die eingeatmete Luft nur unzureichend erwärmt und befeuchtet. Die den Nasenraum erreichende Luft ist deutlich kälter (24–30 °C) als bei gesunden Personen (30–32 °C), was vermutlich das paradoxe Gefühl einer Verstopfung auslöst.
  • Neurosensorische Dysfunktion: Es besteht ein deutlicher Verlust der trigeminalen Sensibilität. Die Patienten weisen deutlich veränderte Schwellenwerte für die Erkennung der lateralen Mentholwahrnehmung (LDT) auf, was auf eine Schädigung der TRPM8-Kälterezeptoren hindeutet. Ein reduzierter Wandschubspannungswert (WSS) im unteren Nasengang korreliert direkt mit den klinischen Bewertungen für „Erstickungsgefühl“ und „die Nase fühlt sich zu offen an“.

2. Diagnostische Instrumente und Biomarker

Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus validierten subjektiven Skalen und aufkommenden objektiven Markern:

  • Validierte Fragebögen: Der ENS6Q (ein Wert ≥ 11 ist richtungsweisend), SNOT-22/25 und die NOSE-Skala gelten als klinische Standards.
  • Nasal nitric oxide (nNO): Die nNO-Werte sind bei ENS-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant niedriger. Ein Anstieg des nNO nach einer chirurgischen Behandlung ist ein aussagekräftiger Biomarker für die psychische Genesung und korreliert mit niedrigeren Werten im Beck-Depressions-Inventar (BDI-II) und Beck-Angst-Inventar (BAI).
  • Funktionelle Bildgebung (fMRT): fMRT-Studien zeigen, dass ENS-Patienten die Nasenpassage anders verarbeiten und selbst in Ruhe eine ausgeprägte Aktivierung von Bereichen des limbischen Systems aufweisen, die mit emotionalem Leidensdruck und „Lufthunger“ verbunden sind.

3. Therapeutische Strategien

Die aktuelle Forschung untersucht drei wesentliche Behandlungsansätze:

  • Chirurgische Rehabilitation: Ziel ist es, das Nasenvolumen zu reduzieren und den Luftstrom mithilfe submukosaler Implantate (z. B. Medpor, autologer Knorpel, Alloderm) zu normalisieren. Virtuelle Operationen mittels CFD zeigen, dass diese Implantate Wirbelbildungen korrigieren, den WSS erhöhen und die Fähigkeit zur Erwärmung der Atemluft wiederherstellen können.
  • Regenerative Medizin: Verfahren mit aus Fettgewebe gewonnenen Stammzellen (ADSC) oder der stromalen vaskulären Fraktion (SVF) zielen auf eine funktionelle Rekonstruktion der Schleimhaut ab. Es konnte gezeigt werden, dass SVF-Injektionen entzündliche Zytokine (IL-1β, IL-8) signifikant reduzieren, wobei die klinische Symptomverbesserung unterschiedlich ausfällt. ADSCs in Kombination mit Fettgranula können die mukoziliäre Clearance und die Ausrichtung der Zilien verbessern.
  • Konservative Behandlung: Ein „Trigeminustraining“ mit täglichen Inhalationen von Menthol und Eukalyptol kann die Wahrnehmung der Nasenpassage verbessern, indem die verbliebenen TRPM8-Rezeptoren stimuliert werden.

4. Psychische Auswirkungen und Lebensqualität

ENS geht mit extremem psychischem Leidensdruck einher, darunter starke Angstzustände, Depressionen, chronische Müdigkeit und Suizidgedanken. fMRT bestätigt eine neurologische Grundlage dieses Leidens; es konnte gezeigt werden, dass Mentholinhalationen den Leidensdruck durch eine verringerte Aktivierung der paralimbischen Bereiche des Temporallappens lindern.

Fazit der Metaanalyse

Die Forschung zu ENS wird derzeit von Fallserien und Beobachtungsstudien dominiert (Evidenzniveau 4), wobei ein erheblicher Bedarf an randomisierten kontrollierten Studien besteht. Die Zukunft der Behandlung liegt in einem personalisierten Ansatz, bei dem CFD zur Planung „maßgeschneiderter“ Operationen eingesetzt und objektive Biomarker wie nNO integriert werden, um sowohl die körperliche als auch die psychische Genesung zu überwachen.

Allgemein

Pathophysiologie des Empty-Nose-Syndroms
Jeanie Sozansky, BS,Steven M. Houser
Aktuelle und alternative Therapien bei Verletzungen der Nasenschleimhaut
Jegadevswari Selvarajah, Aminuddin Bin Saim, Ruszymah Bt Hj Idrus, and Yogeswaran Lokanathan
Neuroregulation der menschlichen Nasenschleimhaut
James N. Baraniuk and Samantha J. Merck
Morphologie, nicht nur Volumen: Eine Studie zum Empty-Nose-Syndrom und zu den unteren Nasenmuscheln
Chia-Hsiang Fu, MD, PhD ; Chien-Cheng Chen, MD; Chi-Che Huang, MD; Po-Hung Chang, MD ;
Yi-Wei Chen, MD; Ya-Cheng Tang, MS; Ta-Jen Lee, MD
Behandlung des postsurgischen Empty-Nose-Syndroms
Jason Talmadge, MDa, Jayakar V. Nayak, MD, PhDb, William Yao, MDa, Martin J. Citardi, MDc
Das Schlangenzeichen: Ein zuverlässiger endoskopischer und radiografischer Befund beim Empty-Nose-Syndrom
Sachi S Dholakia, David Grimm, Rachel Daum, Dawn T Bravo, Nicole Salvi, David Zarabanda, Jonathan Overdevest Andrew Thamboo, Tsuguhisa Nakayama, Jayakar V Nayak

Implantate

Chirurgisches Ergebnis beim Empty-Nose-Syndrom: Einfluss des Implantationsorts
Ta-Jen Lee, Chia-Hsiang Fu, Ching-Lung Wu, Yi-Chan Lee, Chi-Che Huang , Po-Hung Chang, Yi-Wei Chen, Hsiao-Jung Tseng
Chirurgische Behandlung des Empty-Nose-Syndroms mittels autologem Dermalfett: Bewertung der symptomatischen Verbesserung
Yu Hosokawa, MD, PhD, Takeshi Miyawaki, MD, PhD, Nobuyoshi Otori, MD, PhD, Taisuke Akutsu, MD, PhD, Ryohei Kimura, MD, Tetsuo Ikezono, MD, PhD, Nobuyoshi Otori, MD, PhD
Chirurgische Eingriffe beim Empty-Nose-Syndrom: Meta-Analyse von Meta-Analysen
Leire Aguirre-Peña, Octavio Garaycochea, Isam Alobid, Holger Sudhoff & Manuel Bernal-Sprekelsen

Stammzellen

Optimierung der Dosierung menschlicher Stammzellen aus der Nasenmuschel zur wirksamen Behandlung des Empty-Nose-Syndroms
Yun Jin Kang, MD, PhD1, Dan Bi Park, PhD2, David W. Jang, MD3, Mi Hyun Lim, PhD2, Jae Yoon Lee, MD4, Seung Yeon Yoo, MS2, Sung Won Kim, MD, PhD4, Do Hyun Kim, MD, PhD4
Kürzlich hinzugefügt
Gewebespezifische Stammzelltherapie zur Regeneration der Atemwege
Dan Bi Park, Jae Yoon Lee, Sung Won Kim, Do Hyun Kim
Die In-vitro-Vermehrung autologer, aus Fettgewebe gewonnener Stammzellen zur funktionellen Rekonstruktion der Nasenschleimhaut
Xiao Xu, Liang Li, Cheng Wang, Yang Liu, Chong Chen, Junling Yan, Hong Ding and Su‑yang Tang
Die regenerative Rolle von aus Fettgewebe gewonnenen Stammzellen (ADSC) in der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie
Naghmeh Naderi,corresponding author, Emman J Combellack,, Michelle Griffin, Tina Sedaghati, Muhammad Javed, Michael W Findlay, Christopher G Wallace, Afshin Mosahebi,, Peter EM Butler, Alexander M Seifalian, and Iain S Whitaker

Numerische Strömungsmechanik (CFD)

Empty-Nose-Syndrom: neue Erkenntnisse durch einen CFD-Ansatz
Francisco Esteban-Ortega, Lina Rosique-López, Jaime A. Ochoa-Ríos, Rafael Rodríguez-Romero & Manuel A. Burgos-Olmos
Das Verfahren zur Vergrößerung des unteren Nasengangs (IMAP) normalisiert mittels computergestützter Strömungsdynamik (CFD) die nasalen Luftströmungsmuster bei Patienten mit Empty-Nose-Syndrom
Jennifer Malik, PhD, Sachi Dholakia, BS, Barak M. Spector, Angela Yang, BA, Dayoung Kim, Nicole A. Borchard, Andrew Thamboo, Kai Zhao, PhD, and Jayakar V. Nayak, MD PhD
Untersuchung der abnormen nasalen Aerodynamik und der Trigeminusfunktionen bei Patienten mit Empty-Nose-Syndrom
Chengyu Li, PhD, Alexander A. Farag, MD, Guillermo Maza, MD, Sam McGhee, Michael A. Ciccone, Bhakthi Deshpande, MA, Edmund A. Pribitkin, MD, Bradley A. Otto, MD, and Kai Zhao, PhD
Numerische Strömungsmechanik und trigeminale Sensibilitätsuntersuchungen bei Patienten mit Empty-Nose-Syndrom
Chengyu Li, Alexander A Farag, James Leach, Bhakthi Deshpande, Adam Jacobowitz, Kanghyun Kim, Bradley A Otto, Kai Zhao
CFD-Analyse aggressiver Verkleinerungen der Nasenmuscheln: Sind sie eine Ursache des Empty-Nose-Syndroms?
Jennifer Malik, Chengyu Li, Guillermo Maza, Alexander A. Farag,Jillian P Krebs, Sam McGhee, Gabriela Zappitelli, Bhakthi Deshpande, Bradley A. Otto,and Kai Zhao

TRPM8-Rezeptoren

Die Identifizierung des TRPM8-Kanals in Primärkulturen menschlicher Nasenepithelzellen und seine Reaktion auf Abkühlung
Shao-Cheng Liu, MD, PhD,a,b Hsuan-Hsuan Lu, PhD,b,c Hueng-Chuen Fan, MD, PhD,d Hsing-Won Wang, MD,a,b,e Hang-Kang Chen, PhD,a Fei-Peng Lee, MD,b Chong-Jen Yu, MD,c und Yueng-Hsiang Chu, MD, PhD
Definition zweier Agonistentypen am kälteaktivierten Säugerkanal TRPM8
Annelies JanssensMaarten GeesBalazs Istvan TothDebapriya GhoshMarie MulierRudi VennekensJoris VriensKarel TalaveraThomas Voets ist der korrespondierende Autor
Auswirkungen des „Trigeminustrainings“ auf die trigeminale Sensibilität und die subjektiv empfundene Nasendurchgängigkeit
Annelies JanssensMaarten GeesBalazs Anna Oleszkiewicz,Korrespondenzautorin# Timo Schultheiss,#1 Valentin A. Schriever, Jana Linke, Mandy Cuevas,1 Antje Hähner und Thomas Hummel

Schlaf

Erkennung einer obstruktiven Schlafapnoe bei Patienten mit Empty-Nose-Syndrom
Chien-Chia Huang, Pei-Wen Wu, Chi-Cheng Chuang, Cheng-Chi Lee, Yun-Shien Lee, Po-Hung Chang, Chia-Hsiang Fu, Chi-Che Huang, Ta-Jen Lee
Schlafentzug kann durch die Ansammlung reaktiver Sauerstoffspezies im Darm zum Tod führen
Alexandra Vaccaro, Yosef Kaplan Dor
Keishi Nambara, Cindy Lin, Michael E.Greenberg, Dragana Rogulja
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